Phasen eines meditativen Laufs

1. Einklang oder «warm up»

Die induktive (lat. «inducere», einführen) Phase bereitet auf das Laufen vor. Der Körper wird aufgewärmt (warm up) und beweglicher gemacht durch Mobilisationsübungen. Der Stoffwechsel wird dabei angeregt.
Anschliessend werden die Läufer/innen in eine Meditationsübung eingeführt. Das kann eine energetische Wahrnehmungsübung auf der vitalen Ebene sein z.B. Atemübung, eine Imaginations- oder Visualisationsübung auf der mentalen Ebene oder eine explizit religiöse Meditationsübung z.B. das Herzensgebet in der kontemplativ christlichen Tradition.

 

2. Laufphase

In der konzentrativen Phase steht die Bewegung, verbunden mit einer Wahrnehmungsübung im Zentrum. Nach längerem meditativem Laufen wird das bewusste, funktionale und kontrollierende Denken schwächer und eventuell gar ausgeschaltet und die blosse nichtidentifizierende Wahrnehmung tritt an seine Stelle. Es wird ein Raum für tiefer liegende Verarbeitungsprozesse betreten. Dadurch stellen sich neue Sinnzusammenhänge, neue kreative Lösungen und Inspirationen ein.

 

3. Ausklang oder «cool down»

In der eduktiven Phase (lat. educere – herausführen) wird die Aufmerksamkeit wieder vom Meditationsobjekt gelöst. Es folgt lockeres Austraben, Muskelstreching z.B. in Form von Yogaübungen für Läufer/innen und wenn möglich eine Tiefenentspannung. Eine anschliessende Sitzmeditation wäre «das Tüpfchen auf dem i», da der Zugang zu tieferen Bewusstseinsebenen nach dem Laufen durchlässiger geworden ist.

SchrittWEISE

«Beschloss hinter meinem Haus joggen zu gehen. Ruht man im Zeugen, während man läuft, bewegt man sich nicht, sondern der Boden bewegt sich.

Als der Zeuge ist man unbeweglich, oder genauer gesagt, man hat überhaupt keine Eigenschaften, keine Merkmale, keine Bewegung und Regung, weil man in der grossen Leerheit ruht, die man ist.»

Ken Wilber, Philosoph
zentraler Vertreter der transpersonalen Psychologie