Was sind spirituelle Erfahrungen?

Eine spirituelle Erfahrung durchdringt den Menschen auf der physischen, der psychischen und der geistigen Ebene. Sie dynamisiert, weckt auf, klärt und bringt blockierte Energien wieder in Fluss. Je wacher, sensibler und präsenter, desto lebendiger und spiritueller erfährt sich der Mensch. 

Wir Menschen empfinden uns in Harmonie, wenn unsere Energie ungehindert durch Körper-Seele und Geist fliessen kann. In der abendländischen Kultur ist aber ein Übergewicht an Denkbewusstsein feststellbar. Wir verwenden am meisten Energie fürs Denken. Wenn wir uns aber durch gedankliche Konzepte festlegen und bestimmen lassen, können wir nicht mehr frei und beweglich auf jedes Geschehen eingehen. Umso wichtiger wird darum die Entspannung des Körpers. Denn erst im Zustand der Entspannung kann das Bewusstsein vom rationalen zum fühlenden Modus umschalten. Das Denkbewusstsein tritt dann zurück und gibt Raum frei für das Spür- oder Fühlbewusstsein.

Denn: Spirituelle Erfahrungen werden erspürt und nicht gedacht.

Dies geschieht über die Wahrnehmung durch der Sinne. Ununterbrochen nehmen diese Reize aus der Umgebung auf. Normalerweise ordnen wir diese ein, bewerten und kategorisieren sie. Das Endprodukt deklarieren wir dann als «Realität». Dabei handelt es sich aber nicht um eine Abbildung der Wirklichkeit, sondern um eine Eigenproduktion. Je näher wir  jedoch mit den Sinnen an der Wirklichkeit sind d.h. je weniger distanzierende Gedanken dazwischen treten, desto intensiver ist das Erleben der «Realität», die es so - objektiv gesehen -, gar nicht gibt. Dann passiert nämlich ein Wechsel vom «Denkbewusstsein» zum «Spürbewusstsein». Wir denken nicht mehr über etwas und identifizieren uns mit diesen Gedanken, sondern nehmen immer mehr wahr «was ist» und erfahren uns selber als Teil davon. Wir nähern uns dem  «Hier und Jetzt» oder anders gesagt: wir begegnen dem Leben und machen eine «spirituelle Erfahrung».

SchrittWEISE

«Wer kommen will in Gottes Grund, in sein Innerstes, muss zuerst kommen in seinen eigenen Grund, in sein eigenes Innerstes; denn niemand kann Gott erfahren, er/sie muss zuerst sich selbst erfahren».

Meister Eckhart,
Mystiker, Theologe und Philosoph